mir fällt es immer noch schwer, jemanden FMA zu empfehlen

Mein letzter Rewatch von „Fullmetal Alchemist: Brotherhood“ hat mich wieder daran zweifeln lassen, dass Anime verloren sein kann, wenn solch eine Perle existiert (und ja, „Legend of the Galactic Heroes“ ist bestimmt noch um einiges besser, aber das kenne ich nicht. Und Death Note ist langweilig. Ich hatte sogar begonnen, einen Post darüber zu schreiben, aber bin nur bis zur 8ten Episode gekommen (hatte über 2000 Wörter); danach war die Datei verloren gegangen (bestimmt wegen Death Note, not even the IT can handle this bullshit)). Aber egal. Wie sehr ich auch FMA:B liebe, zögere ich doch immer noch, diese Serie jemanden zu empfehlen. Und da nun sehr viel Zeit vergangen ist, sind die Fehler der Serie noch sehr gravierender.

Wenn ein 15-jähriger sich beispielsweise auf Netflix (oder Clipfish oder random Streaming-Portal, was auch immer) die Serie zu Gemüte zieht (Netflix hat 2003 und 2009 im Programm), wird er die aktuellere Serie bevorzugen, weil retro ihm zu alt ist. Außerdem wird er sich mit Fragen quälen, wie sich die beiden Serien unterscheiden. Und dann gibt es noch den Umstand, dass Netflix die 2003-Serie promotet („zwei Jahre lang Top-Serie von TV Asahi“), während die neuere Serie so etwas nicht bekommt. Der Umfang der Serie lässt es normalerweise nicht zu, dass beide Serien geschaut werden (und wenn doch, dann wird der Zuschauer sehr enttäuscht durch die verschiedenen Vorlagen). Seine Google-Suche wird ihn erkennen lassen, dass sich die neuere Serie an der Vorlage orientiert, während die ältere Serie das nur im Kern tut. Dafür hat die ältere Serie um einiges mehr Filler, die die Charaktere stärken und dazu beitragen, dass man sich an die Charaktere erinnert.

Davon mal abgesehen, welche Serie sich für welche Zielgruppe am besten eignet, will ich nur darauf eingehen, warum FMA:B auf jüngere Zuschauer kein gutes Licht wirft und diese die Serie kurzzeitig abbrechen könnten.

Fangen wir mal mit dem einfachen an: der Handlung. Die ersten 15 Episoden sind stark gekürzt und verlangen, dass man sich die vielen Charaktere einprägt. Das ist aber durch die plotgeladene Handlung nicht möglich. Damals zur Erstausstrahlung konnte man davon ausgehen, dass die meisten Zuschauer vor FMA:B bereits die erste Serie kannten und daran anknüpfen konnten. So ist das, 7 Jahre nach dem Erscheinen, nicht mehr. Besonders die erste Folge braucht viel Insider-Wissen, um die Gegebenheiten zu begreifen. Das Transmutieren von Blut hatte ich selbst erst nach drei-mal gucken der ersten Episode verstanden. Wie soll das dann erst funktionieren, wenn ein Zuschauer davon keinen Cent weiß? (Vielleicht hatte er „The Legend of Korra“ gesehen und konnte daraus Rückschlüsse ziehen, aber darauf sollte man nicht vertrauen.)

Man könnte zwar die Vermutung äußern, dass alles besser wird, wenn man weiter in der Serie fortgeschritten ist, aber warum sollte man das tun, wenn die ersten Folgen schon verquer waren?  Da will man nicht freiwillig weiterschauen, sondern bricht das vorher ab. Es stimmt, dass der Plot nach der 15ten Folge langsamer voranschreitet, aber das hat zwei Gründe: 1. Damals war der Manga noch im Gange und mit jeder neuen Folge kam man dem aktuellsten Mangakapitel immer näher. 2. Ab dieser Folge kommt Content, der nicht in der ersten Serie dargeboten wurde, man steht also auf neuen Terrain. So etwas weiß aber der 15-jährige Zuschauer nicht. Der weiß nur das, was auf dem Bildschirm geschieht. Womit ich auch schon zum zweiten Kritikpunkt komme.

Die Serie ist nicht gut gealtert. Animationstechnisch kann ich immer wieder die 5te Episode loben, die Animationen allein lassen mich sabbern. Und sonst auch haben die ersten Episoden großartige Momente. Zum Beispiel die Leore-Episode mit dem zweigeteilten Sichtfenster oder wo man für einen Moment Edward in einer Spiegelung sieht. Aber das sind nur kleine Gimmicks, die von der großen Sauerei ablenken. Die Szenen sind manchmal so schlecht gezeichnet, dass man die Augen verschließen möchte. Paradebeispiel dafür ist die Folge mit Nina. Das müsste Folge 4 sein. Schau sie dir an, du wirst verstehen, was ich meine. Da ich gerade bei Szenen-Zeichnungen bin: Beispiele gefällig?

Das sind jetzt nur Ausschnitte aus einer random Bildersuche. Aber das Prinzip ist klar, nicht wahr? Die Zeichnungen sind mitunter abgrundtief und ziehen eine ernste Geschichte ins lächerliche. Diese Zeichnungen kann man nicht ernst nehmen, auch wenn sie nur einen kurzen Moment in einer Episode ausmachen. Die 2003-Serie hat manchmal auch vereinfachte Zeichnungen, aber die aus 2009 sind 10-mal unpassender.

Auch etwas anderes stört an den Zeichnungen (nein, ich meine nicht die fehlenden Lichtreflexe oder die fehlenden Farbfilter allá GoHands): Das Charakterdesign. An den Charakteren selbst gibt es nicht viel auszusetzen (außer vielleicht an Armstrong), aber das Lining ist äußerst rund, sodass ältere Charaktere unmissverständlich jünger aussehen als beabsichtigt. Das Ding ist, dass auch neuere Anime diese runden Züge haben (ein Phänomen betreffend aus der digitalen Machart), aber das besser verstecken (z. B. durch Lichtreflexe). Durch die Chibis und unförmigen Krakelgesichter fallen jedoch die Linien sehr stark ins Blickfeld. All das kann man im 4-Koma-Theater verkraften, aber nicht in der eigentlichen Serie.

Besonders Alphonse kommt durch diese leichten, detaillosen Zeichnungen nicht gut weg. Natürlich wurde das mit Alphonse gerne gemacht, weil sein Charakter so klobig ist, dass es keinen Spaß macht, ihn zu zeichnen. Doch gerade dadurch leidet ein Charakter, der für die Story mitverantwortlich ist. Ich verstehe es völlig, dass Leute nicht mit Alphonse warm werden können, weil er keine menschlichen Züge hat. Und sein vereinfachtes Design trägt noch zusätzlich dazu bei. Jaah, die Zeichnungen haben etwas mit Comedy zu tun, das sehe ich ein, aber das macht ihn noch um einiges unattraktiver. Das Hauptproblem an ihm bleibt auch weiterhin bestehen: Er ist eine große schwere Rüstung, bei der man eine dunkle männliche Stimme vermutet, diese aber nicht bekommt. Kann sein, dass überzeichnete Comedy ihn noch kindlicher machen sollen, es wirkt sich aber nicht gut auf den Charakter aus.

Drei Worte zur deutschen Synchronisation: Alle, die die Synchro nicht so gut finden, schauen sich die ersten Folgen nochmal an und achten auf die Länge der Sätze. Ich vermute, dass die besonders langen verschachtelten Sätze dazu beitragen, dass die Synchro als nicht gut empfunden wird. Solch lange Sätze spricht kein normaler Mensch und sorgen dafür, dass die Sprecher keine Glanzleistung einlegen können, da sie nicht wissen, wie sie am besten betonen können.

Mir geht es darum, dass die Serie nicht per sé schlecht ist, sondern dass jüngere Zuschauer, die noch nie etwas mit Animes am Hut hatten, mit dieser Serie nicht zurecht kommen könnten und dass die Gründe dafür schon offensichtlich sind. Und das ist auch sehr schade, da FMA:B einer der besten Animes ist.

Wahrscheinlich habe ich ein altes Thema neu angewärmt. Mir soll es recht sein. FMA ist die Serie, die mich zum Bloggen ermuntert hat und ich werde auch weiterhin gefallen an FMA finden. Bald werde ich auch die erste Serie nochmal schauen und überlegen, wie sie einen neu-kreierten Animefan gefallen könnte. Bis dahin ein paar Worte an meine Leser, was ich doch recht selten mache (außer, wenn ich sie beleidige (das sollte ich auch öfters machen)). Wie ist euch FMA:B in Erinnerung geblieben? Ist es immer noch ein „must watch“ für jeden Anfänger oder überholt und nicht guckbar?

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