Applimonsters?! Ist das noch Digimon?

Habe ich mich mal als Digimon-Fan geoutet? Nein, werde ich nicht, ich bin kein Fan. Ich bin interessiert daran, welche Konzepte ein altes Franchise, das ich als Kind bewundert habe, aufbringen kann, um die neue Zielgruppe zu begeistern. Ich glaube nämlich, dass Digimon vermehrt von Kindern geschaut wird (im Gegensatz zu Wichsvorlagen aller My little pony oder Precure). Deswegen bin ich auch interessiert an den Applimons, die zum Digimon-Francise dazugehören und dem schwächelnden Markt einen neuen Reiz geben wollen.

Vielleicht liegt es am verändernden Image oder an der Zielgruppe, dass Applimon ein anderes Auftreten und Feel hat. Wenn ich mich an die Digimon-Filme erinnere, die inzwischen herauskommen, hat Applimon nicht dieses Feel an sich. Das kann zum einen daran liegen, dass bei Digimon der Artstyle anders ist, dass man Charaktere sieht, die man kennt und lieb gewonnen hat, dass die Charaktere nicht übertriebene Stereotype sind (sie sind aber immer noch Stereotype, nur eben nicht übertrieben), dass es Digimon gibt und hübsche Insertsongs.

Applimon hat ein anderes Konzept. Es versucht, modern zu sein, die neuen Trends zu imitieren, wirkt in der Umsetzung aber fehl und zu dick aufgetragen. Während man in Digimon einen Tamagotchi-ähnlichen Partner hatte, sammelt man in Applimon die Chips von Apps, die sich als Monster manifestiert haben. Das Design der Monster ist auf süß getrimmt, sie sollen nicht erschrecken und das Gefühl geben, dass Apps nicht schlecht sind oder schlecht sein können. Die Ideen der Digimon-Designer geht seit Jahren den Bach runter, die Digimon wirken schon gar nicht mehr innovativ oder lieblich (schon fasst wie in Pokemon), aber der neue Tiefpunkt geschieht nun mit Applimon. Die Applimons habe ein verschiedenes Aussehen, aber sie unterscheiden sich vor allem in ihrer Nervigkeit. Es ist genauso ein neuer Tiefpunkt in der Geschichte, wenn man Charaktere nicht nach „best looks“ einstuft, sondern nach „nervt am wenigsten“.

Auch der Ansatz, dass Apps unser Leben bestimmen und uns täglich begegnen, ist in seinem Konzept innovativ. In seiner Idee wurde aber viel von den alten Serien geklaut:

  • das man zwischen Welten wechselt, gibt es seit der ersten Staffel. Die Parallelwelt aus Applimonsters ist aber gleich mit der Welt aus Xros Wars 3.
  • Applimons werden böse durch Viruse. Das hat man auch seit der ersten Staffel. Da waren es Zahnräder, Ringe, Türme, korrupter Code usw.
  • Applimon können verschmelzen und dadurch neue stärkere Wesen bilden. Gab es schon in Xros Wars.
  • Wenn eine App korrupt ist, gibt es auch Auswirkungen auf die reale Welt. Jaah, gibt es in seinen Anfängen auch in der ersten und den folgenden Staffeln.
  • Die Applimon haben Digimonnamen, sprich: Der Name endet mit -mon.
  • Protag hat ein fuckin Digivice.

Trotzdem wirkt das alles wirr und unüberlegt. Anstatt die eigene Welt zu erkunden oder zu hinterfragen, haben wir nur eigenständige Folgen mit villain of the week. Wir sehen nicht viel vom Charme und die Serie versucht nicht einmal eine Geschichte zu erzählen oder Charme aufzubauen. Es ist nun mal eine Kinderserie, da will man nicht so viel nachdenken oder hinterfragen. In seiner Episodenhaftigkeit ist nur Yokai Watch schlimmer, und dort gibt es wenigstens Sexjokes (die bei der Lokalisierung weggedubbt wurden, meh!).

In seiner vollen Plumpheit  werden auch die Kämpfe dargeboten. Man versucht zwar die Fähigkeiten der Apps zu nutzen (die Protags bekommen Pads, wo sie auf Tasten drücken müssen), aber dieses Gimmick wird zu wenig genutzt und soll bestimmt nur ein Promo-Eindruck für ein kommendes Spiel sein. Das Pad wird viel zu wenig genutzt, weil man es (anscheinend) nicht mehr braucht, sobald das Applimon mit einem anderen verschmolzen ist (die Verschmelzungssequenz ist auch richtig peinlich, ich fremdschäme mich immer, wenn ich das sehe). In all den Kämpfen versucht man auch, etwas Strategie hineinzubekommen, damit man nicht einfach nur auf den Gegner eindrescht, bis er wieder normal ist. Strategie braucht man aber nicht wirklich, weil wunderbar gezeigt wurde, dass eindreschen doch ausreicht (gezeigt im ersten Kampf von Dokamon, Episode 5).

Weil es eben auch nur eine Kinderserie ist, kommt der Aspekt der Auswirkungen auf die normale Welt zu wenig. Und sobald ein Applimon bereinigt wurde, ist auch wieder alles beim Alten als wäre nichts geschehen und zerstörte Daten tauchen wieder auf, als wäre nie etwas gewesen. Man sieht, dass eine korrupte App das Leben der Menschen durcheinanderbringt und dass es Auswirkungen auf Gesellschaft und Alltag gibt, wodurch die Kinder einen Grund haben, Helden zu spielen. Jedoch ist diese Gegebenheit nicht ausgereift und stellt nur den Grund bereit, um die Protags zum Handeln zu bewegen.

Habe ich eigentlich erwähnt, dass der große Feind „Leviathan“ heißt (habe ich das nicht schon einmal in Yu-Gi-Oh! gehört?) und das Protag-Monster so tut, als wäre Leviathan gleich zu setzen mit „Du-weißt-schon-wen“? Außerdem ist das Logo von Leviathan ein stilisiertes „L“, dass aussieht wie ein Element, dass ich in Death Note gesehen hatte. Das ist schon das oberste Maß an Innovationslosigkeit.

Applimon ist eigentlich eine eigenständige Serie, die nicht viel mit dem Digimon-Franchise zu tun hat, aber Fame aus diesem Franchise schlagen möchte. Man versucht, mit das Digimon-Feel zu immitieren, scheitert aber kläglich. Ohne Insertsongs von Wada Kouji hat man nicht viel von Digimon, es soll ja Leute, die Digimon wegen der Musik schauen. Der Soundtrack ist grauenvoll, genauso wie das voice acting. Pluspunkt ist nur der Lead Protag, weil er ein zurückhaltender Junge ist, der sich aus den Applimon-Kämpfen heraushalten wollte. Inzwischen ist er aber zum Held mutiert und all seine Eigenschaften, die ihn frisch und liebenswert gemacht hatten, hat er nun abgelegt.

Für Fans von Digimon kann es was sein, man sollte aber keine hohen Erwartungen haben.

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