Ich glaube, Leute mögen „Kanon“, weil es so hoffnungslos überzogen ist

Ich habe vor kurzem „Kanon“ gesehen (die übertriebene Variante von KyoAni). Ich hasse Shows von KyoAni, weil es so Otaku ist. Aber gleichzeitig komme ich wieder zu KyoAni zurück, weil es so omnipresent ist und man durch die hübsche Promo-Art suggeriert bekommt, dass man es mit etwas gehaltvollem zu tun bekommt. Aber im Grunde ist das Formular gleich mit Clannad und Air. Nicht, weil es beides VNs sind. Es ist so, weil KyoAni nicht weiß, wie VNs animiert werden.

Manche Schnitte (Elite-Blogger nennen es „pacing“) sind so abrupt, dass man denkt, man spielt die VN selbst. Das hat J.C.Staff bei Little Busters besser gemacht (aber theoretisch war es bei LB einfacher, weil der Ort nicht gewechselt ist). Es ist im Grunde so: Held wacht auf, plötzlich in der Küche, plötzlich in der Schule, plötzlich im Einkaufsviertel. Man hüpft von Event zu Event. Und die Events haben es in sich…

Beim Schauen wurde ich an einen Witz erinnert, den mal meine Deutsch-Lehrerin erzählt hatte:

Wie unterscheiden sich Optimisten von Pessimisten? Der Pessimist sagt: „Nun kann es nicht noch schlimmer werden.“ Der Optimist sagt: „Oh doch.“

Es könnte eine Satire sein über Entwicklungen in Seifenopern. Aber dafür nimmt sich diese Serie zu ernst. So viel Leid, die dem MC widerfährt, ist nicht auszuhalten. Und doch dreht sich alles am Ende zu einem Happy End, weil magic and stuff. Gerade das magische Etwas macht die Serie zu einem „Meisterwerk“, denn wenn schlimmes passiert, dann kommt die gute Fee und zaubert alles heil. Das ist wish fullfillment, wie es Clannad auch getan wird. „Alle heulen? Großartig! Jetzt reset.“

Das Leben geht nicht ohne Leid. Das Leben ist nicht leicht. Das Leben ist aber auch langweilig. Und so ein bisschen langweilig würde „Kanon“ ganz gut stehen. Stattdessen schaut man die Serie und wartet auf die death flag. Alles ist ein großes build up, um dann mit der Tragödie fortzufahren. Einzig den Unfall von der Mutter hatte ich erwartet, weil es einmal Ryouga erwähnt hatte (wurde der so geschrieben? Ich weiß schon gar nicht mehr so richtig, wer das überhaupt ist). Ansonsten sieht man die Mädchen an und wartet darauf, dass ihnen etwas schreckliches zustößt. Die Mädchen buhlen darum, den Helden zu Tränen zu rühren. Und am Ende heult der Zuschauer auch, weil man Mitleid mit dem Helden bekommt.

Einzig in Clannad ist das build up noch schlimmer. Da wird einem bis zum bitteren Ende NagisaxDerAndere gezeigt, um dann den Zuschauer ins Nichts fallen zu lassen. Man will uns zu Emotionen bewegen, indem man Schicksalsschläge zeigt. In Clannad war das ein Fick ins Gesicht, in Kanon ist es abgründig. Nur noch mitleidiger ist KyoAni, weil sie es nicht besser können.

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2 Gedanken zu “Ich glaube, Leute mögen „Kanon“, weil es so hoffnungslos überzogen ist

  1. Was hätte KyoAni denn machen sollen? Die Otakus, die das am Ende kaufen sollen, shitstormen doch sofort los, wenn sich die Produzenten ein bisschen Freiheit erlauben.

    Wie ist eigentlich „Rewrite“? Da ist Jun Maeda, der ja auch für „Kanon“ verantwortlich war, nicht dabei – ob sich das irgendwie auswirkt?

    1. KyoAni würde immer ins Klo greifen. VN-Adaptionen werden nie wirklich gut werden, weil man versucht, alle Routen in das Geschehen hineinzuflechten. Und wenn man sich eine Route raussucht und diese animiert, sind die Fans unzufrieden (Beispiel Fate). Am einfachsten ist es, um VNs einen Bogen zu machen. Da kann man nicht enttäuschen.

      Rewrite werde ich aus Interesse schauen, aber mehr kann ich da nicht sagen. Es ist für mich unerheblich, wer am Ende die Feder führt, ob nun Jun Maeda oder Mari Okada. Letzten Endes wird es auf die ersten beiden Varianten, die weiter oben stehen, hinauslaufen und beide Varianten akzeptiere ich nicht.

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