Sakura

Erinnert ihr euch noch an die glorreichen Zeiten? Die Zeiten, an denen drittklassige Medien gemerkt haben, dass es eine Zielgruppe gibt, die nie erschlossen wurde bzw. die in den Abgrund getrieben wurde, weil sie strange war? Ja, irgendwie sind wir alle schon ein seltsamer Haufen, aber glücklicherweise gibt es Leute, die schlimmer sind. Von den Einen wird man als verworfen hingestellt, die Anderen wollen uns sympathisch machen. Aber eigentlich wollen die Anderen nur auf uns sympathisch wirken, damit wir Mitleid haben und deren Taschen leerkaufen.

Ich habe da gestern was gesehen. Naja, ich habe mit einem Ohr zugehört und mit dem anderen Auge die YouTube-Kommentare gelesen. Ein „neues“ Online-Magazin zu unserem beliebten Thema ist gestartet. Von Massengeschmack. Besagte Produktion ist mir vor allem wegen der kritischen Beleuchtung der Fernsehlandschaft geliebt. Man kann sich nun darüber streiten, ob alle Formate dieser Hamburger Produktion kritisch sind oder kritische Themen beinhalten, denn man muss schließlich auch den Unterhaltungsfaktor berücksichtigen, aber das Anime/Manga-Magazin namens „Sakura“ war alles andere als kritisch.

Vor mehr als einem Jahr war damals das J-Mag von MyVideo. Dieser Schmarotzer einer Japanisch-Kultur-Sendung mit einer Moderatorin, die bei jedem zweiten Wort geschmatzt hat. Einer der Moderatoren hat „Guilty Crown“ gelobt, weil im Soundtrack deutsche Wörter gesungen werden (ich als baldige zertifizierte Semi-Deutsch-Profistin mit Bachelor lehne es ab, diesem Abschaum von Serie eine deutsche Sprache einzureden) und hat außer Acht gelassen, dass in GC ein verficktes Drittes Reich aufgebaut wird. (Manch einer mag vielleicht behaupten, dass aus diesem Grund eine deutsche Sprache eingesetzt wird, aber solch Versager hat nicht mal das Dritte Reich bemerkt, wenn man es ihm vor die Nase hält.) Ich hatte das J-Mag trotz allem geguckt, weil ich als troll-Blogger über jeden Fehler meckern wollte es da war. Zum Meckern hat es nicht gereicht, es war so abgrundtief, dass ich keine Worte gefunden hatte. Es war wirklich wie ein Pickel, bei dem man warten muss, bis man ihn endlich ausdrücken kann. Jedoch wurde mir bewusst, dass J-Mag und Sakura viel gemeinsam haben. Aber da die Sendungen eine unterschiedliche intellektuelle Herkunft haben, darf und muss ich in diesem Fall sehr genau hinschauen.

Das wichtigste zuerst: Dieses Magazin wurde uns als als „Anime und Manga“ verkauft, da haben Comics nichts zu suchen. Man könnte zwar anmerken, dass der Laden „Sakura“ heißt und weil dort unter anderem Comics verkauft werden, dürfen auch Comics ins Programm. Das ist aber bullshit. Mir als Anime-Fan wird Anime-Manga versprochen, also erwarte ich das auch und will es so haben. Das Magazin heißt schließlich nicht: „Sakura – Neues aus dem Comic-Laden“. Man kann dadurch eine breitere Zielgruppe ansprechen, denn Leute mit Comics finden auch Manga interessant. Aber Manga und Comic sind zwei unterschiedliche Kulturen, die man nicht in einen Topf werfen kann. Manga-Fans konvertieren viel zu selten in die westliche Sphäre.

Aber der Comic-Laden gibt eigentlich viel mehr offene Türen, die nicht mal ansatzweise geöffnet wurden. Der Produktion kann ich vorwerfen, dass nicht mit der Kritik gearbeitet wurde, die man von anderen Formaten kennt. Und ein Comic-Laden hat eine Expertise, die man ausnutzen sollte. Zum Beispiel ist es interessant für Hardcore-Fans und Normalos, wie es hinter den Kulissen eines Ladens aussieht. Als Außenstehender sieht man doch nur die Fassade. Das Zusammenspiel zwischen Unternehmen (ich habe einen Shop und muss meine Kosten decken) und Hobby (ich mag Japan und habe deswegen einen Laden) könnte man viel mehr ausbauen. Man könnte anstatt der Top-3-verkauften-DVDs (die wahrscheinlich sowieso schon jeder hat) doch lieber die Ladenhüter vorstellen und stichhaltig erklären, warum diese es wert sind, gekauft zu werden. Ansonsten sieht es doch so aus, als wollte man sich selbst inszenieren. Aus den Kommentaren geht sehr gut hervor, dass sich die Mehrheit in einer Verkaufsshow gesehen hat.

Dieses kritische Hinterfragen ist so eine Sache. Als Unternehmen habe ich meine Gründe, irgendwelche Dinge zu beschönigen. Wieso sollte ich auch etwas schlecht reden, das ich in meinem Laden verkaufe? Dann beiße ich mir selbst ins Fleisch, weil ich dadurch die Verkaufszahlen minimiere. Aber genau diesen Konflikt sollte man herausarbeiten und daraus seinen Nutzen ziehen (z.B. das mit den Ladenhütern). Oder man kann den Prozess zeigen, wie bestimmte Merchandisings ausgewählt werden; warum z.B. keine Gundam-Figuren verkauft werden (was mich jedesmal aufregt, wenn ich in Hannover Geld lassen will!!1!).

Hentais stehe ich aus diesem Grund nicht gut gegenüber, aber auch dort kann man kritisch hinterfragen. Zum Thema Hentai habe ich deswegen nur eines zu sagen: Ich freue mich schon über den Beitrag zur „gesellschaftlichen Relevanz von Tentakel-Rape in Japan und dessen Bedeutung in der deutschen Porno-Industrie“.

Besonders aufgeregt hatte ich mich, als die eine Frau sagte: „No.6 gibt es als Anime nur in Amerika mit Ländercode, deswegen muss man die Raubkopien aus Malaysia kaufen.“ Mir haben sich als Hobby-Scanlator die Zehennägel hochgerollt, als ich das gehört hatte. Das war für jeden Fan wie ein Messer in den Rücken. Die Untertitel der Raubkopien sind in der Regel von Fansubbern geklaut, verletzten also das Recht auf geistiges Eigentum. Es ist natürlich auch verwerflich an etwas zu arbeiten oder zu bearbeiten, das im Besitz einer anderen (rechtlichen) Person ist. Aber das ist auch für Raubkopien nicht anders. Ich würde niemanden ermuntern, für Raubkopien zu bezahlen. Das schadet einem Unternehmen viel mehr als eine Arbeit, die von Fans gemacht wird.

Letzten Endes muss ich sagen, dass ich für so ein Format kein Geld ausgeben würde. Die Informationen, die ich erhalte, kann ich zu einem großen Teil auf anderen Portalen oder YouTube zusammensuchen. Mir wird kein Mehrwert geboten, der mein Geld wert ist.

(Weil ich diesen herrlichen Artikel „Sakura“ genannt habe, gehe ich davon aus, dass ich nun viele Naruto-Fans für mich begeistern werde lol)

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2 Gedanken zu “Sakura

  1. Die Verletzung der Urheberrechte ist ja eine Sache, aber die Frau nennt die Bootlegs ja wörtlich „die andere Alternative“. Wenn man also keinen regionalcodefreien DVD-Player besitzt, ist es also in Ordnung, weil von diesem Laden genehmigt, Piraterie zu betreiben? Na das wird ein paar Leute freuen.

    Mich hat ja mehr das langweilige und blutleere Interview mit dem Carlsen-Menschen aufgeregt. Was bringt es den Leuten, wenn der die Neuerscheinungen vorstellt, die man sowieso in deren Programm nachlesen kann? Der Carlsen-Mensch war ja auch sichtlich bereit, über Dinge zu reden, er hat seinem Interviewer auch dauernd Bälle zugeworfen – Sonderformate, Preise, Lizenzierungen, westliche Comics, Erschließung neuer Käufer-Altersgruppen usw. Aber neeee. Das überfordert ja.

    Auch lustig, wie der Opa den seriösen Manga über Religion vorstellen darf und die junge Mitarbeiterin „Saint Young Men“.

    1. Das Interview kann man kaufen. Vielleicht sind die wichtigsten/interessantesten Szenen einfach rausgeschnitten, um die Kaufkraft der Kunden zu stimulieren?

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