(3) Warum bewerten viele Leute überhaupt?

Überschriften zu klauen, um daraus den eigenen Müll zusammenzudrehen, ist meine Spezialität.

Beginnen möchte ich mit einer Anekdote, die keine Pointe enthält. Also ist es wohl eine Geschichte, oder?

Dann beginne ich mal die Geschichte: Vor langer langer Zeit war der Taarah einmal sterbenslangweilig und sie verbrachte ihre Zeit damit, random Userprofile auf MAL anzusehen. Dabei stieß sie auf einen Account, der hunderte Anime und Manga gelistet hatte, aber keine Bewertungspunkte angegeben hatte. Sichtlich irritiert schrieb die Dame in gebrochenem Englisch an die Pinnwand des Users, dass dieser keine der Serien bewertet habe. Als Antwort bekam sie daraufhin, dass die Person nie diese Serien mit Punkten bewerten wird.

Nun gibt es unterschiedliche Gründe, warum Menschen irgendetwas mit Punkten, Sternen, „Gefällt mir“ etc. bewerten:

  • Sie werden (direkt oder indirekt) zum Bewerten aufgefordert,
  • Sie wollen irgendetwas mit ihrer Stimme/Bewertung unterstützen ohne selbst laut zu werden (Zustimmung geben),
  • Sie  wollen, dass etwas „Geliebtes“ besser dasteht (den Favoriten höher stellen, als er in Wirklichkeit ist) oder das Gegenteil, etwas „Gehasstes“ herunterziehen,
  • Sie können sich mit etwas identifizieren,
  • einfach nur so.

Genauer eingehen werden ich auf „einfach nur so“ gekoppelt mit der „indirekten Aufforderung zur Bewertung“, was ich weiter unten abhandeln werde, weil ich daraus meine Schlussfolgerungen ziehe. Die anderen Gründe werden kürzer kommen, weil ich diese nicht als tragend erachte.

Eine Frage an dich: Hast du einen Anime schon einmal bewertet, weil du dich mit diesem identifizieren konntest oder weil du diesen so gut fandest, dass du diesen bewerten wolltest? Wirklich nicht? Das ist kein Wunder, denn in diesen Fällen hättest du ein Review oder eine Empfehlung geschrieben.

Auf anderen Plattformen ist ist es aber möglich die „Zustimmung“ mit einem Klick zu setzen. Dann „gefällt es mir“. Indem man auf so etwas klickt (oder nicht klickt) hat man seine persönliche Wertung abgegeben. Diese ist nicht wirklich mit einer Punktskala versehen, jedenfalls keiner sichtbaren. Gehen wir einfach mal von diesem Bewertungsschema aus:

1 Punkt = ein Klick

0 Punkte = kein Klick

Und schon ist es eine Bewertung, wenn auch sehr einfach gestrickt. Aber das ist auch das Ziel von Bewertungen: Immer einfach sein. Ein Klick oder das Angeben einer Zahl ist viel einfacher und man kann dieses viel besser und anschaulicher erfassen. Es liegt in der Natur des Menschen Dinge und Gegebenheiten zu vereinfachen oder etwas als absolut zu behandeln. Und so etwas kann man gut mit einer vordefinierten Punktbewertung darstellen.

Ein Klick oder ein Tastendruck reicht schon aus. Die Zweckmäßigkeit solch einer Meinungswiedergabe will ich hier nicht erörtern, dafür könnte ich einen eigenständigen Artikel verfassen. Fakt ist aber, dass dies nicht viel bringen wird. Nur weil viele irgendwie was bewertet haben, werde ich davon nicht angesprochen. Und ob ich weiß, ob diese Zustimmungen/Bewertungen echt und mit vollem Gewissen (und nicht aus einer Laune oder weil es ein Hype ist und alle so machen; Gruppenzwang) abgegeben wurden, kann ich nicht erkennen. Etwas, dass mit Worten erklärt wurde, hat für mich viel mehr Aussagekraft. Wenn ich jemanden frage „Wie fandest du Death Note?“ und er antwortet mir „Ich habe darauf 10 Punkte gegeben.“ kann ich mich gleich erhängen. Bei so viel Verständnis möchte man glatt die Welt verlassen.

Das ist unser Gesellschaftsproblem. Es wird kaum noch etwas aus Überzeugung gemacht, sondern resultiert einzig aus der Manipulation von Gewissen und Gefühlen. Dies passiert in zwei Ausprägungen:

  1. Der Anime regt mein Gewissen oder meine Gefühle (entweder positiv oder negativ) an und ich kann alles nicht mehr objektiv oder aus Überzeugung bewerten (Beispiel: Clannad AS, Ano Hana).
  2. Jemand überzeugt mich auf verschiedene Weise, dass etwas „gut“ ist. 2 Beispiele: Ich werde so lange genervt, bis ich dazu „Stellung beziehe“. Oder ich sehe, dass eine Person den Anime, den ich als durchschnittlich erachte, mit 8 Punkten bewertet hat und ich schlussfolgere daraus, dass der Anime doch nicht 5 Punkte wert ist und gebe stattdessen 7 Punkte.

Ich werde also direkt angesprochen, entweder vom Auslöser oder vom bereits Bekehrten. Bewertungen sind durch verschiedene Manipulationen (subjektiv sticht objektiv) unwahr und unreal.

Warum bewerten wir dann?

Antwort: Einfach nur so.

Das ist zwar etwas lasch ausgedrückt, trifft es aber schon. Ich habe auch davon gesprochen, dass der Mensch gerne etwas zwanghaft kategorisiert, weil es in seiner Natur liegt. Aber würde er das auch machen, wenn die Webanwendung es nicht zuließe? Wie wäre MAL aufgebaut, wenn es keine Ziffernbewertung gäbe? Hätten wir dann mehr Reviews und die besten bewerteten Reviews ständen oben, damit man sich eine bessere Meinung bilden kann? Und diese Reviews wären dann manipuliert und alle manipulieren sich dann wieder? Du merkst schon, dass es nicht ohne Bewertungen geht.

Aber wenn man auf den Klick oder die Punktvergabe verzichten würde, dann fiele es einem leichter, die eigene Meinung weiterzugeben oder Tatsachen sachlicher zu erklären. Zahlen bzw. Ziffern sind nur auf dem Papier neutral. Jeder leitet aus einer Zahl etwas anderes ab. Und eine Rangfolge hat auch nicht mehr Aussagekraft. Hier ein aktuelles Beispiel:

Auswahl_002

Es ist schon albern eine TV-Serie und einen Film miteinander zu vergleichen, aber es geht mir nur um die Punktzahlen. Die durchschnittliche Bewertung hat eine Abweichung von 0.01 Punkten. Wer kann dann noch erkennen, was besser ist oder wo der Unterschied zwischen den Serien ist? Und Code Geass kann man kaum mit Haruhi vergleichen. Doch durch die Vergabe von Punkten zwingt man alles in ein Ranking zu setzen.

Und auch wenn man es schafft, etwas vergleichbar zu machen, kann man die Vielschichtigkeit nicht darstellen. Code Geass mit einem ähnlichen Anime dieses Genres (z.B. Mecha: Majestic Prince) zu vergleichen, hat auch keine besseren Ergebnisse. Punkte sind nur dazu da, um unsere Wahrnehmung zu trüben und sind ein sehr schlichtes Überzeugungsmittel. 

Wenn wir uns immer selbst sagen, dass wir keine Punkte mehr geben und alles sachlich mit Worten bewerten, sind wir besser gestellt als der Pöbel.

Etwas aus einer Zahl zu schlussfolgern ist aus meiner gesamten Argumentation heraus gelesen, ein schlechter Weg. Ja klar, es vereinfacht ungemein, aber wenn die Zahl, die irgendwo steht (selbst wenn die begründet ist), manipuliert ist, leidet dadurch das Gesamtergebnis. Mathematiker werden mich vielleicht nun hassen, aber ich glaube, dass es unprofessionell ist, ein Ergebnis aus einer oder mehren Zahlen abzuleiten. Ich will mich nicht um die Professionalität streiten, da es kaum jemanden gibt, der so erhaben ist, dass er als „Professor“ oder „Genie“ bezeichnet werden kann. Selbst intelligente Menschen sind paranoid und vom Wahnsinn verfallen.

Aber wenn man es schaffen könnte, etwas kurz und geordnet zu bewerten ohne auf Zahlen zurückzugreifen, dann gehen wir einen Schritt näher zur ultimativen Gesellschaftsform. Warum können wir nicht alles mit pro und contra analysieren? Am Ende kann da meinetwegen eine Zahl herauskommen, aber wichtig ist, was zu den einzelnen Themen gesagt wird. Das wäre doch eine Überlegung wert, oder?

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