[Kurzreview] Alles, was wir geben mussten

Bei meinem gewohnten Gang durch den Buchladen meines Vertrauens fiel mir ein Buch ins Auge. Um es präziser auszudrücken, auf einen Roman (ein Buch kann genauso gut ein Sachbuch, Malbuch oder Comicband sein).

Das  Cover ist nichtssagend, aber der Name des Autors ließ mich anhalten und auf das Cover starren. Kazuo Ishiguro heißt der gute Mann. Was mich etwas stutzig machte. Schließlich werden in Deutschland nicht besonders viele Bücher von Japanern verlegt (Mangas gehören zu ihren eigenen Zweig). Der Preis von 9,99 EUR und die Seitenzahl von kappen 350 Seiten stellten für mich keine große Hürde da, deswegen erstand ich das gute Stück.

Nun gibt es zwei Gründe, warum es dieses Buch in die deutschen Buchhandlungen geschafft hat:

  • der Autor schreibt auf Englisch
  • das Buch ist verfilmt worden (Premiere: 14. April 2011)

Für die Verlage natürlich ein gefundenes Fressen (auch für btb). Müssen die nicht extra einen Übersetzer finden, der japanisch beherrscht (die sind sowieso entweder Weaboos oder mit dem Übersetzen von Mangas beschäftigt) und haben einen großen Absatzmarkt, denn wenn der Film erfolgreich ist und anspricht, kaufen die Leute auch die Vorlage zum Film. Und die Vorlage ist wirklich gut.

Die Geschichte wird vom Ich-Erzähler Kathy H. zusammengehalten und ist eine Art Erfahrungsbericht bzw. Erinnerungssammlung. Die Handlungsfäden sind strukturiert, aber sie erzählt immer wieder von Begebenheiten, die zeitlich nicht aufeinander folgen, dafür am vom Inhalt zusammenpassen.

Alles ist in drei Teile geteilt:

  • Kindheit in Hailsham

Sie erzählt von dem „Internat“, in dem sie lebt, von ihren Freunden und wie die Schüler auf das spätere Leben vorbereitet werden.

  • Leben in den Cottages

Nach der Schule ein kurzer Ausschnitt wie sie fortan lebt und was sie dazu bewog Betreuerin zu werden.

  • Arbeit als Betreuerin

Sie erzählt, wie sie ihre Freunde wiedertrifft und deren letzte Zeit begleitet.

Ich versuche mich so spoilerfrei wie möglich auszudrücken, aber eines muss ich noch zur Story sagen:

Kathy H. und die anderen Schüler sind Klone, die dazu auserkohren sind, um Organspender zu werden. Ich sage das jetzt eben, weil auf jeder drittklassigen Webseite dies schon steht.

Der Inhalt an sich dümpelt aber vor sich hin. Es kommen immer wieder irgendwelche Erinnerungsfetzen und der Leser kann diese kaum einordnen. Erst im Teil der Cottages wird irgendwie klar, in welche Richtung die Geschichte gehen wird.

Der Inhalt ist natürlich für Erwachsene konzipiert, der Sci-fi-Teil ist mit Moraldenken gekoppelt, der für jüngere Leser nicht einfach zu verstehen ist. Schon während es Lesens wird einem klar, dass es keinen Ausweg gibt für Kathy H. und ihre Freunde gibt. Trotzdem leben die Figuren einigermaßen unbeschwert. Kathys reservierte Erzählweise macht das Lesen sehr einfach.

Für Freunde von:

  • Erfahrungsberichten
  • alternativer Sci-fi
  • Foreshadowing
  • offenes Ende

Für alle anderen gibt es auch den Film. Ob der gut ist, kann ich nicht sagen.

Advertisements

kommentieren oder Ideen teilen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s