Vanguard ist nicht Yu-Gi-Oh!

Winter 2011 hat einen neuen TCG-Anime für Kids ins Leben gerufen: Cardfight Vanguard. An der Serie sind auch Macher von Yu-Gi-Oh! und Duell Master beteiligt. Da war schon klar, dass es ein Abklatsch von beiden Serien sein wird. Oder?

Vanguard bringt ein neues Trading Card Game ins Rennen. Zufälligerweise trägt es den gleichen Namen wie die Serie. So kann man sich das Spiel auch besser merken. Es war schon damals an meinen Yu-Gi-Oh!-Zeiten etwas merkwürdig, wenn ich darum gebeten wurde, „Yu-Gi-Oh!“ zu spielen. So viel ich weiß, heißt das Spiel dort Duell Monsters (ich danke an dieser Stelle Wikipedia für diesen Tipp, weil ich selbst vergessen habe, wie das Spiel heißt).

Mit Duell Master will ich Vanguard lieber nicht vergleichen, weil ich mich nicht besonders gut an die Serie erinnern kann und außerdem Duell Master durch ein schlechtes Englisch Dub gegangen ist und mir dort sinnlose Comedy eingetrichtert wurde, die nicht im Original vorhanden war. Das selbe gilt auch bei Yu-Gi-Oh!, aber diese Comedy war etwas seichter und deswegen akzeptabel.

Fange ich also mit dem Vergleich an.

der introvertierte Junge

Yugi und Aichi haben etwas gemeinsam. Sie sind schüchtern/introvertiert und werden von Klassenkameraden gemobbt. Durch bestimmte Umstände können beide aber die Mobber auf ihre Seite ziehen. Yugi macht das, indem er zeigt, dass er doch mutig sein kann und die Mobber dadurch überrascht. Aichi hingegen wurde nie richtig gemobbt, sondern nur nie richtig wahrgenommen. Und seine Lieblingskarte „Blaster Blade“ wurde nur weggenommen, weil der andere Spieler eifersüchtig auf ihn war und sein Deck damit aufbessern wollte. Da hatte Yugi schon mehr zu kämpfen, weil Tristan und Joey ihn nur des Spaßes wegen geärgert haben.

Aber da ist noch eine andere Sache, die Aichi in ein anderes Licht rückt und ihn menschlich macht: Er ist ein Anfänger und verliert. Yugi aber ist ein schüchterner Junge, der so gut wie immer gewinnt (wenn er den kämpft, aber dazu später). Was macht hier nun der Sympathiebonus aus? Ich gebe doch lieber 5 Punkte dem Kerlchen, der am menschlichsten rüber kommt. Ich will keinen Superhelden, der alles mit Leichtigkeit schafft. Nach dem Konsum von Yu-Gi-Oh! und Yu-Gi-Oh! GX ist bei mir sowieso eine Haltung eingetreten aller: „Ist egal, was zwischendurch passiert. Der gewinnt sowieso.“ Da ist Aichi doch schon richtig human, wenn er wirklich verliert, obwohl er sich so sehr angestrengt hat oder bei seinem ersten Turnier weiche Knie bekommt.

das zweite Ich (oder: ich habe eine multiple Persönlichkeit)

Das nächste Problem ist dann auch, dass der schüchterne Yugi immer jemand anderes kämpfen lässt: den Pharao. Was an sich jetzt nichts schlechtes ist, aber daran ändert sich auch nicht viel. Yugi ist in der Serie nur dazu da, um Lolservice zu geben und mit dem supercoolen Pharao die Plätze zu tauschen. Er wächst nicht, weil er jemand anderen die Arbeit übernehmen lässt. Und sogar bei ganz einfachen Kämpfen lässt er alles den Pharao machen.

Davon abgesehen: Wieso hatte bis zu Folge xxx niemand gemerkt, dass Yugi immer mit dem Pharao die Plätze tauscht?  Beim deutschen Dub hatten beide unterschiedliche Synchronsprecher, da war das noch sehr ungewöhnlicher. Jedoch muss man an dieser Stelle wissen, dass im japanischen und sogar im englischen Dub Yugi und Pharao von der selben Person gesprochen wurden. Daran habe ich auch nichts auszusetzen. Nehmen wir einfach an die Regie hat beim deutschen Dub geschlafen. Aber es muss doch den Freunden von Yugi auffallen, wenn ihr Freund plötzlich nach dem Change andere Augen und Frisur hat. Mensch, der Pharao war sogar einen halben Kopf größer als Yugi. Und manchmal trug  der Pharao andere Kleidung (meistens war das Hemd nur anders) oder trug die Jacke etwas anders als eine Sekunde davor der kleine Yugi. Naja, Schluss damit. Ich bin nicht hier, um über Yu-Gi-Oh! zu lästern.

Abseits will ich anmerken:

„Hikaru no Go“ hatte die gleichen Voraussetzungen wie Yu-Gi-Oh! auch. In „Hikaru no Go“ ging es um einen Jungen, der gerne Go spielen wollte, nachdem er ein Go-Brett auf dem Dachboden gefunden hatte. Aber ein alter Geist, der ein seeeeeeehr guter Go-Spieler ist, nistet sich in seinem Körper ein. Der Junge gewinnt alle Spiele mithilfe des Geistes, aber bekommt irgendwann den Wunsch, selbst Go zu spielen und das Wissen des Geistes wandert immer weiter in Vergessenheit.  Der Junge spielt selbst und hat etwas Talent und Wissen von den Spielen, die er zusammen mit dem Geist gespielt hat, aufgesogen, trotzdem ist er nicht so gut und verliert öfters. Aber deswegen gibt er nicht auf und macht weiter. „Hikaru no Go“ wandelt sich also in Sachen Charakterentwicklung viel mehr und besser als Yu-Gi-Oh!.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Aichi ist nicht gut in Vanguard, verliert blutig und liebt das Spiel trotzdem. Yugi ist ein guter Spieler und lässt trotzdem jemand anderen für ihn kämpfen.

Cardfight VS Duell

„Lass uns duellieren!!“ hört sich nicht nur schwachsinnig für ein Kartenspiel an, sondern ist gleichzeitig auch so brutal formuliert.

Das Duell kommt natürlich vom „Wir müssen die Welt mit einem Kartenspiel retten!“-Charakter der Serie. Aber das ist doch völlig hirnrissig. Da bevorzuge ich doch lieber Vanguard, weil man dort weiß, dass die Welt nicht durch ein Kartenspiel geändert werden kann (vielleicht werden alle glücklich, wer weiß?) und auch nichts vom „Herz der Karten“, „Milleniumsgegenständen“ oder „Spiel der Schatten“ zu sehen war. Einzig Vanguards „Imagine“ ist schon etwas von Yu-Gi-Oh! abgekupfert, aber es ist ertragbar und macht das Spiel etwas plastischer.

Der Serie hat es so durch das „Spiel der Schatten“ und Pharaozeugs einen Hauch Mystik gegeben, aber zum Teufel, das ist nur ein verdammtes Kartenspiel!? Mystik sucks, sieht man doch an Gosick, außerdem hat das „Spiel der Schatten“ nicht so große Bedeutung eingenommen. Wozu es gut sein soll, ist auch nie geklärt worden.

Duellieren für Prestige

Sehen wir es doch ein: 90% der Duellanten aus Yu-Gi-Oh! haben kein Spaß am Spiel, sondern machen es für Geld, Ansehen, um die Welt zu erobern etc.

What the fuck?! Und was soll das überhaupt mit all den Profis? Mit denen kann sich kein Kind identifizieren. Die sind vielleicht cool und stark, aber das war es schon.Waren überhaupt jemals Kinder im Publikum (falls es überhaupt ein Publikum gab)? Und die Kinder, die es gab, waren nie und nimmer sympathisch. Auch nicht das kleine Mädchen, das mit ihrem Teddybären geredet hat und später mit Brille und Intellektuellengerede wieder erschienen ist.

In Vanguard steht immer der Spaß im Vordergrund und die Kartenspieler sind meistens Grund- und Mittelschüler. Die Ausnahme bilden wirklich Erwachsene (man kann auch immer ein Kind bleiben, diese Regel gilt nicht für Yu-Gi-Oh!).

Regeln

Vanguard nutzt jede Episode damit, irgendwelche Regeln zu erklären. Die kommen immer Stück für Stück und sind nach Episode 9 noch nicht alle erklärt. Auch werden die Runden viel besser in Phasen unterteilt.

Yu-Gi-Oh! gibt nur einen kurzen Überblick über das Spiel. Besonders in der ersten Staffel gab es irgendwelche Regeln, die an den Haaren herbeigezogen waren. Ich erinnere mit noch an den Kampf zwischen Pharao und May, wo sie „das Auge des Gorgonen“ gespielt hat und der Pharao dem entgehen konnte, weil „ein weibliches Monster nicht auf diese Karte wirkt“. The hell. Den Fehler haben wohl auch die Produzenten bemerkt, deswegen war diese Karte nach der ersten Staffel nicht mehr in Mays Sortiment. In der zweiten Staffel hatten die sowieso erst angefangen, ein paar mehr Regeln einzubauen, damit ein wenig mehr Strategie hineinkommt.

Und das „Spiel der Schatten“ hat sowieso seine eigenen Regeln, die man nicht verstehen muss. MYSTIK, whooooooooo~

du bist mein Freund, aber ich muss dich opfern *heul*

Yu-Gi-Oh! macht hier auf Sentimentalblödsinn. Sagen: „Ich liebe alle meine Karten. *küss* *schmatz*“, müssen die dann aber opfern. Zu höheren Zwecken. „Koloss der Peiniger“ hat sogar die Monster gefressen, um stärker zu werden. Diese Art von Spiel ist widerlich.

In Vanguard wird eine Karte aus der Hand vielleicht zur als „Guard“ benutzt und wandert dann auf den Friedhof. Aber auch nach Angriffen „sterben“ die Monster nicht, sondern werden lediglich „Damage“.

Du siehst keinen Unterschied? Ja. Sehe ich ein. Aber…

In Yu-Gi-Oh! sind die Karten Geister, Freunde usw., die man liebt, aber opfern, töten usw. muss. In Vanguard bleiben die Kartenmonster das, was sie sind: nämlich Karten. Karten, die man liebt, aber nicht so sehr wie Freunde. Wenn die Karten wirklich doch noch Freunde werden, dann schüttele ich den Kopf und sage fail.

Warum Vanguard nicht mit Yu-Gi-Oh! verglichen werden kann (und vielleicht auch Gründe, Vanguard eine Chance zu geben):

  • Die Protagonisten sind in den meisten Fällen Kinder und keine Profis.
  • Das Kartenspiel hat das Ziel, Spaß zu machen und nichts anderes.
  • Die Spieler wachsen mit jedem Kampf.
  • Zu 95% ohne Gossenmystik.
  • Die Regeln werden Stück für Stück erklärt.
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