Schöne Bescherung!

Ich bin ein Weihnachtshasser. Deswegen frage ich mich, warum ich mir das jedes Jahr aufs Neue antue…

Ja. Weihnachten ist so ein Ding. Braucht keiner. Will keiner. Selbst der Vollzeitoptimist hat damit seine Tücken. Klingt komisch, ist aber so. Was soll das alles? Was soll Weihnachten? Was soll dieser Müll mit „alle glücklich beisammen“? Das „glücklich“ habe ich schon mal gestrichen, weil es sowieso nur eine Farce der Medien und Hollywood ist. Glück ist relativ und fiktiv. Jedenfalls bei Weihnachten. Hat es jemals jemanden gegeben, der durch Weihnachten glücklich geworden ist? Hmmm. Ich kenne niemanden. Aber für das Gegenteil hätte ich hunderte Beispiele, die ich hier ungern aufzählen möchte.

Um gleich etwas klarzustellen: Weihnachten macht mich nicht glücklich. Nicht im Ansatz, nicht in meiner tiefschwarzen Seele. Weihnachten ist die jährliche Herausforderung für meine Nerven (danach kommen Geburtstage). Das beste ist nun, dass ich dieses Jahr KEIN Weihnachten in Familie hätte feiern müssen, denn – ach Gott – der Schnee macht der Bahn ja soooo viel Probleme *heul*. Ich hatte Verspätungen ohne Ende. „Die Bahn macht mobil“ – gezwungenermaßen in drei Jahren vielleicht. Hier gleich mal ein schöner Artikel dazu, der nicht aus einem Bahnhasserblog stammt, sondern von der „Welt“.

Bahn hin und her, ich bin dann schließlich doch daheim angekommen und habe es bereut. Ich musste mir von den Großeltern das jämmerliche „wie lange bleibst du?“ und „letztes Mal hast du mich nicht besucht, ich bin enttäuscht“ anhören, ohne zu erwähnen, dass ich jedes Jahr aufs Neue vom Weihnachtsfest enttäuscht werde. Traditionen soll man nicht mit Füßen treten. So ein Schlag auf den Hinterkopf würde aber nicht schaden.
Noch schlimmer ist, wenn man (so wie ich) vier Tage vor Heiligabend nach Hause kommt. Ich muss besoffen gewesen sein, als ich das entschieden hatte. Somit war nach zwei Tagen mein posineutrales Gemüt schon aufs äußerste strapaziert und mein „haha, ich wohne jetzt weit weg von euch und ich fühle mich dort viel wohler, weil ihr nicht mehr in meiner Nähe seid“-Lächeln bekam dann auch mehrere Knicke zur Erde.

So weit, dass ich jemanden umgebracht hatte, ist es dann doch nicht gekommen. Wäre durchaus aber eine Überlegung wert gewesen.

Als kleiner braver Animefanatiker (Ich bezeichne mich nicht „Otaku“) war ich aber auch am Heiligen Abend in einer Misere. Nein, nicht wegen den Geschenken; ich hatte sowieso keine besorgt wie auch in den Jahren davor. Diese Tradition will ich auf jeden Fall weiterhin praktizieren; ist gut für den Geldbeutel und meine persönlichen Ausgaben.
Nein. Viel schlimmer ist die Frage aller Fragen.

Was hast du die vier letzten Tage gemacht? Hättest du uns nicht mal besuchen können?

Von dem Paradox abgesehen – schließlich habe ich die Eierköpfe von Großeltern an meinem Ankunftstag für eine Viertelstunde besucht; das muss reichen – muss ich dann ehrlich fragen: Was soll ich diesem konservativen, weltfremden Pack erzählen, die nicht mal ein gewisses Gespür für meine Interessen besitzen?

Ja, du, ey, Omi. Ich habe TWGON und Fortune Arterial geguckt. Außerdem habe ich die Episoden der Fall Season nachgeholt, die ich noch nicht gesehen hatte und danach noch um die 10 (oder noch mehr) Episoden von Groove Adventure Rave. Da gehen schon mal vier Tage drauf.

Sagt das mal Omi. Entweder ihre Welt geht unter oder sie versteht nur Bahnhof. Und wenn man noch die Muse hat, ihr das alles so zu erklären, dass sie das auch versteht, kommt dann noch die Antwort: „Du guckst Trickfilme?“
Nein. Oh nein. Das halte ich nicht im Leben aus. Lieber eine Schlinge um den Hals. Meine kurze Antwort auf die Frage war: „Internet“. Die hat schon gereicht, auch wenn Großeltern nicht mit meinem Konsumrausch einverstanden waren. Was sollte ich den derer Meinung auch tun? Rausgehen? Da ist es KALT, verdammter Winter!!

Kälte hin, in der Wohnung war es seltsamerweise einmal warm. Mutter wollte sicherlich nicht, dass die Rentner erfrieren. An allen anderen Tagen des Jahres ist die Heizung  außer Betrieb. Welch ein Wunder. Nun waren aber auch die Heizungen des Herzens bei allen auf Sparflamme. Mutter meckert  rum, dass ihre Eltern (wie immer) zu spät kommen und dass das Essen kalt wird. Vater brüllt, dass Mutter die Klappe halten soll. Mein Onkel stimmt dem zu und wird von Mutter vollgemeckert, dass er selbst nicht besser ist. Seine Eltern springen mit auf den Zug und meckern, dass er sich benehmen soll. Und dann kriegen alle ihr Fett weg, weil man Weihnachten nicht brüllen und streiten soll.
Dieser Krieg  kehrt jedes Jahr wieder, genauso wie Weihnachten.

Abgesehen von Aussagen wie „du hast doch eine Geige? Spiel was vor!“ und den alljährigen Kallorienbomben, die ich prompt meinem Bruder geschenkt habe (wer braucht den Mist auch, in meinen Koffer passt es definitiv nicht), lief alles am Heiligabend reibungslos.

Wenn da nicht noch die Putzlust meiner Mutter wäre. Da hat man es noch geschafft, die Rentner vor Mitternacht nach Hause zu schicken, da will Mutter noch vor der Geisterstunde die Spülmaschine einräumen. Wenn sie es nicht schafft, könnte das der Geist der guten Weihnacht übernehmen (gut ist wieder durchgestrichen aus Hollywoodgründen) und das sollte ohne wenn und aber vermieden werden. Ich habe mich geweigert, Mutter brüllte mich an, ich ging in mein Zimmer. Jedes Jahr das gleiche. Kann man nicht auf dieses Dejavu verzichten?

Die nächsten zwei Weihnachtsfeiertage kommen auch nicht ohne Gebrüll aus. Anstatt sich auf das Sofa zu legen und einen zehnstündigen Mittagsschlaf zu halten, wird man an diesen Tagen zu den Großeltern gebracht, um den Nachmittag mit ihnen zu verbringen. Die einen sind seit langem so dreist und bringen Heiligabend die Geschenke nicht mit zu Mutters Haus, damit wir einen Grund haben, bei ihnen aufzukreuzen und die Geschenke einfordern. Hach, herrliche Ironie. Diese alten Leute wissen wirklich, wie man faule Säcke aus der Wohnung lockt. Das obligatorische Geld könnten die auch mit der Post schicken. Süßes will ich nicht und ein paar Gamez wünsche ich mir sowieso nicht mehr, weil die Alten zu konservativ sind und meine Neigungen nicht verstehen.

Was macht man nun bei den Großeltern  außer Geschenke auspacken und versuchen, dabei zu lächeln?
– Brettspiele spielen (z. B. „die Siedler von Catan“; haben wir aber dieses Jahr nicht gespielt. Nach einer Zeitschrift soll das wohl ein Grund sein, warum ich keinen Freund habe. Jaah, natürlich alles auf das Spiel schieben. Man gönnt sich ja sonst nichts.)
– sich den Bauch vollschlagen
– fernsehen

Genau, fernsehen. Zuhause haben wir schließlich keinen Fernseher. Deswegen müssen wir die Fernsehkosten von Rentnern erhöhen, so als gute Tat im Jahr.
Fernsehen hört sich in der Theorie durchaus machbar an. Bei den Alten ist es jedoch noch so, dass die mitgucken und man nicht – wie gewohnt – Pro7 oder andere Sender anschaut, sondern ZDF, WDR und weitere Sender, die ich noch nie gesehen habe. Und das Zeug, was die Sender bringen, will ich nicht mal an meinem letzten Tag sehen. Das ist gemeine Folter!
Meine Mutter wollte nun auch, dass beim digitalen Receiver von Omi mal Programme entfernt werden, die sie nicht braucht oder die nichts mehr senden. Omi schaltet sowieso nicht bis Programm 987 durch, war auch Vaters Meinung, er hat es dann doch gemacht, damit Mutter aufhört zu meckern. Das ist eben die neue Art der Hörigkeit.
Als man nun Oma erklärte, dass auch alle Erotikprogramme entfernt wären, war sie völlig baff.

Aber die gucke ich auch manchmal, wenn ich durchschalte. Ich will auch mal was sehen.

Entweder Oma ist neugierig oder pervers. Und das in ihren midsiebzigern.

Nun ist Weihnachten vorbei. Gott sei dank! Ich werde auch mal gehen.

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